IDEE PROZESS FREI ZEICHEN

in.print.out - Grafik in/auswendig

19.04. - 09.06. 2013

Künstlerhaus Wien

Im Zentrum des Titels wie auch des Projekts steht „print“, also Gedrucktes, konkret das in und mit druckgrafischen Mitteln gedachte und umgesetzte künstlerische Konzept. Dazu zwei Richtungsangaben: Grafik in- und auswendig, die Schreibweise in- und auswändig wäre in unserem Zusammenhang inhaltlich durchaus auch gerechtfertigt. Denn die Ausstellung widmet sich zwei Bereichen der aktuellen Grafik, die sich teilweise überschneiden bzw. durchdringen und doch unterschiedliche gestalterische Interessen und Zielsetzungen verfolgen: Zum einen zeigt in.print.out aktuelle internationale Grafikkunst von 102 KünstlerInnen, die üblicherweise – aber nicht ausschließlich – auf Ausstellungswänden und in Ausstellungsräumen platziert wird, zum anderen Grafik, die für Plakatwände im öffentlichen Raum konzipiert ist und dort zu wirken, zu funktionieren hat. Den ersteren Bereich würde man traditionell der künstlerischen Druckgrafik zuordnen, den zweiteren in der Kategorie angewandte Grafik, vormals „Gebrauchsgrafik“ oder schlicht „Werbung“ ansiedeln.


Die Ausstellung versucht einen Grenzgang zwischen diesen üblichen Zuordnungen. Sie zeigt aktuelle Grafik als eine multidisziplinäre und prozessorientierte Sprache, in der Dialoge geführt werden zwischen traditionellen Disziplinen und innovativen Technologien, zwischen analogen und digitalen Medien, zwischen künstlerischen Strategien und Kommunikationsdesign. Denn letztlich geht es im Wesentlichen um gedruckte Ideen, Botschaften, Informationen.


Picture of a caktus hear from Yossi Lernel called In Mexico City from 2008

© Moravian Gallery in Brno

Yossi Lernel - In Mexico City - 2008

outside in

Gezeigt wird im Obergeschoß des Künstlerhauses historische und aktuelle Plakatkunst in Zusammenarbeit mit Muzeum Plakatu w Wilanowie (Plakatmuseum Wilanów, Teil des Nationalmuseums in Warschau), der Züricher Kunsthochschule/Druckatelier Rote Fabrik, Moravská galerie v Brně, Bienále Brno (Mährische Nationalgalerie, Grafikbiennale Brünn), der Wienbibliothek und der Höheren Graphischen Lehranstalt Wien. Die Präsentation erhebt natürlich keinerlei Anspruch, einen schlüssigen Gesamtüberblick zur Plakatgeschichte oder auch nur zu Teilbereichen dieses komplexen Feldes zu geben. Jede der leihgebenden Sammlungen zeigt einige ihrer „Highlights“, also Plakate, die auf besondere Weise gestalterisch innovative Impulse setzen bzw. beispielhaft als kulturhistorische Dokumente gesehen werden können. Aufgrund der Fülle der Sammlungsbestände sind individuelle Schwerpunktsetzungen durch die KuratorInnen erfolgt. So finden sich Plakate aus dem Kulturbereich, also Theater-, Film- und Ausstellungsplakate, genauso wie politische Plakate, Wirtschaftswerbung und einige schwer zuordenbare Skurrilitäten. Auch die Arbeiten des Plakatprojekts GELD MACHT SICHTBAR, das parallel zur Ausstellung im öffentlichen Raum auf Plakatwänden der epamedia stattfindet, werden im Obergeschoß gezeigt, bilden quasi einen „Link“ zwischen innen und außen.

inside out

Im Erdgeschoß des Künstlerhauses zeigen wir Arbeiten, die großteils im Zuge des Wettbewerbs der Internationalen Grafiktriennale Kraków (SMTG) unter ca. 1500 einreichenden KünstlerInnen ausgewählt wurden. Mit SMTG Kraków und dem Horst-Janssen-Museum in Oldenburg arbeitet das Künstlerhaus seit 2006 zusammen, ab 2010 als von der EU gefördertes Projekt „International Print Network“. Ergänzend zur Wettbewerbsauswahl haben wir einige KünstlerInnen mit speziellen Werken zur Teilnahme eingeladen, wie z. B. den australischen Künstler Brook Andrew, dessen Werk sowohl die Dimensionen des Wettbewerbs als auch die traditionellen Grenzen der Grafikkunst sprengt. Sein Jumping Castle War Memorial stellt ein Rätsel in den Raum, das exemplarisch mit innen und außen, mit der Differenz zwischen äußerer Form und der darin enthaltenen Botschaft arbeitet: Die Form der aufblasbaren Hüpfburg steht für Spaß und Kinderspiel, der Titel Kriegerdenkmal hingegen suggeriert Feierlichkeit und Reflexion. Die Grafik – das zeigt diese Arbeit beispielhaft – ist gerade in den letzten zwei Jahrzehnten ein Rendezvous verschiedener Strömungen der zeitgenössischen Kunst und der Alltagskultur, bei dem sich Medien wie Druckgrafik, Zeichnung, Fotografie, Grafikdesign, raumbezogenes Arbeiten, Film und digitale Medien treffen.


in between

In einigen Räumen der Ausstellung versuchen wir im Speziellen den Laborcharakter grafischer Prozesse sichtbar und für die AusstellungsbesucherInnen nachvollziehbar zu machen. So ist ein Raum, bezeichnet als „Projektraum Oktogon“, für temporäre Arbeiten, Installationen und raumbezogene grafische Experimente gewidmet. Für einen Zeitraum von jeweils etwa zehn Tagen bespielen Michael Wegerer /Juun, Natalia Weiss, Beate Dlugosz, Paul Ferragut und Chris Mercier das Oktogon und kombinieren grafische Konzepte mit Klang, Skulptur, Zeit und Licht, setzen dabei mittels Linoleumboden, Zeichenmaschinen, lichtempfindlichen Beschichtungen, rotierenden Druckstöcken und einem zerschnittenen Konzertflügel unterschiedlichste Versuchsanordnungen in Gang. Ein weiterer Raum wird temporär zum Produktions-, Präsentations- und Verkaufsraum gleichermaßen. „make.aZINE“ ist ein Projekt der jungen KünstlerInnengruppe „Graphikkinder“ mit dem Anliegen, die Gattung zine einem breiten Publikum abseits von politischen, popkulturellen und künstlerischen Subkulturen bekannt und nutzbar zu machen. „zine“ bezeichnet eine nicht-kommerzielle, oft selbstgemachte oder Online-Publikation von unabhängigen ProduzentInnen. Die Ursprünge des zine liegen in der Science-Fiction-Szene, jedoch erfreute es sich auch in der britischen und US-amerikanischen Punkszene, sowie in der feministischen Bewegung der 1971er-Jahre großer Beliebtheit. Fernab normierter massenmedialer Kommunikation diente und dient es Minderheiten, Randgruppen und Subkulturen als Sprachrohr.

Darüber hinaus finden in der passagegalerie Workshops für Schulklassen und StudentInnen statt, weitere Ausstellungen im Kinofoyer, im Rahmen des „Monats der Grafik“ in Galerien, Universitäten und anderen Kulturinstitutionen in Österreich.

In dieser Vielfalt an Präsentationen und Möglichkeiten der Auseinandersetzung in und rund um die Ausstellung in.print.out – Grafik in/auswendig will dieses Projekt in Wien ein gemeinsames Forum für KünstlerInnen und interessiertes Publikum bieten und einen Informations- und Diskussionsbeitrag zur aktuellen Situation der Grafik leisten.

Georg Lebzelter

Teilnehmende KünstlerInnen


Australien: Brook Andrew
Bangladesh: Nazir Ahmed
Brasilien: Augusto Sampaio
Bulgarien: Darina Peeva
Bulgarien: Vania Valkova
Bulgarien: Lubomir Krastev
Kanada: Edith Krause
Kanada: Derek Besant
Kanada: Ericka Walker
Kanada: Jill Ho-Jou
Kanada: Cecile Boucher
Kanada: Barbara Zeigler
China: Zhang HuiJing
Deutschland: Kirsten Borchert
Deutschland: Birgit Fiedler
Deutschland: Jochen Koehn
Deutschland: Hansjürgen Gartner
Deutschland: Richard Paul Meszaros
Deutschland: Eugenia Gortchakova
Finnland: KatriIkavalko
Griechenland: Xenophon Sachinis
Griechenland: Vicky Tsalamata
Italien: Andrea Serafini
Japan: Miyuki Kondo
Japan: Atsuo Sakazume
Japan: Yuka Iyama
Japan: Haruko Cho
Japan: Ikuhiro Kugo
Japan: Aya Imamura
Kroatien: Igor Cabraja
Litauen: Vilija Kneyzite
Neuseeland: Stephen Lovett
Niederlande: Bert Brouwer
Polen: Pluta Wladyslaw
Polen: Agnieszka Ziemiszewska
Polen: Izabella Gustowska
Polen: Rena Wota
Polen: Tomasz Winiarski
Polen: Jonasz Gajewski
Polen: Grzegorz Banaskiewicz
Polen: Alicja Snoch-Pawlowska
Polen: Grzegorz Mycka
Polen: Joanna Janowska-Augustyn
Polen: Stefan Kaczmarek
Polen: PUL
Polen: Magdalena Duda-Patraszewska
Polen: Beata Dlugosz
Polen: Ilona Proczek-Kranc
Polen: Karol Pomykala
Polen: Antoni Kowalski
Polen: Krystina Piotrowksa
Polen: Slawomir Cwiek
Polen: Jan Pamula
Polen: Tomasz Kukawski
Polen: Mariusz Palka
Polen: Janusz Marciniak
Polen: Katarzyna Marzec
Polen: Brygida Masternak
Polen: Malgorzata Mazur
Polen: Andrzej Bednarzyk
Portugal: Regina Costa
Serbien: Milan Blanusa
Slowenien: Eva Petrič
Spanien: Javier Gil Perez
Spanien: Francisco Velasco
Spanien: Anne Heyvaert
Spanien: Javier Aranguren
Tschech Rep.: Simon Brejcha
Tschech.Rep.: Ondrej Michalek
Tschech.Rep.: Pavel Noga
UK: Fay Nicolson
UK: Lidija Antanasijevic
UK: Paul Coldwell
UK: ChrisMercier
UK: Paul Ferragut
UK: Peter Ford
UK: Josephine Ganter
USA: Eunice Kim
Ukraine: Olena Golub
Ungarn: Tibor Pataki
Ungarn: Daradics Arpad
Österreich: Ingeborg und Peter Braunsteiner
Österreich: Margret Kohler-Heilingsetzer
Österreich: Zekerya Saribatur
Österreich: Schnitzer / Krätschmer
Österreich: Reinhold Egerth
Österreich: JUUN
Österreich: Babsi Daum
Österreich: Martina Stock
Österreich: Robert Svoboda
Österreich: Christine Pirker
Österreich: Josef Danner
Österreich: Ilse Chlan
Österreich: Linde Waber
Österreich: Bettina Patermo
Österreich: Michael Wegerer
Österreich: Natalia Weiss
Österreich: Elisabeth Weissensteiner
Österreich: Brigitte Pamperl
Österreich: Jana Wisniewski
Österreich: Andreas Ortag
Österreich: Helga Cmelka
Österreich: Markus Gottfried